Ende November 2006 legten mehr als fünftausend Beschäftigte des Volkswagen-Werkes in Brüssel ihre Arbeit nieder. Ausserdem wurden Teile des Werkes besetzt, um die Auslieferung von fertigen Autos und die Demontage der Maschinen zu behindern. Der Zorn der Arbeiter richtet sich gegen den geplanten Abzug der gesamten Produktion des VW-Golfs aus dem Brüsseler Werk. Arbeitsschritte sollen zu Optimierungszwecken verlagert werden in die bestehenden Werke im deutschen Wolfsburg und im sächsischen Mosel .
Die Empörung der belgischen VW-Angestellten war einstimmig und mancher Politiker legte sich ins Zeug um die insgesamt 5400 Arbeitsplätze am Ort zu behalten. Innerhalb des europäischen Gefüges bringt die Strategie des VW-Konzerns keine Verluste, sondern verstärkt sogar die europäischen Kräfte. Wieso eine Mehrheit der Europäer einen länderübergreifenden, liberalen Wirtschaftsraum befürworten und trotzdem Protest ausbricht, wenn dies tatsächlich angewandt wird, ist wenig verständlich. Die Wirtschaftsrechte schweigen und verweisen bestenfalls auf die gesamthafte Effizienzsteigerung, welche schlussendlich Allen zugute kommt. Nur lässt sich diese nicht kurzfristig spüren, im Gegensatz zum Arbeitsplatzverlust der Arbeiter. Die Linke wiederum ist ebenso vehement für den globalen Wirtschaftsraum, wie gegen die Folgen, falls dieser umgesetzt wird. Wer dies noch versteht ist zu beneiden.
Regelmässig spielt sich innerhalb der Schweiz ähnliches ab. Der Unterschied zu den belgischen Arbeitern ist, dass wir mit Volkrechten ausgestattet sind, die uns unmittelbarer verantwortlich machen für den Schlamassel, in den wir uns geritten haben. Ausserdem spielen sich die Verlagerungen oft auf lächerlich kleinem Raum ab und man fragt sich, wieso der ganze Protest gegen einer Verlagerung über wenige Kantone hinweg, wenn gleichzeitig jede Volksvorlage angenommen wird, in der gefordert wird, dass der Arbeitsmarkt gesamteuropäisch liberalisiert werden soll? Schweizer folgen gerne dem Argument, dass eine härterer Arbeitsmarkt die Faulen (die Anderen) auf Trab hält weswegen es schliesslich Allen (einem selber) besser geht. Mann will also den Arbeitsmarkt bis zum Ural liberalisieren, auf dass die Faulen bald in Kiew arbeiten müssen, wenn man aber innerhalb der Schweiz umziehen sollte, ist dies ein Ding der Unmöglichkeit.
Am 12. Dezember 2005 hat Swissmetal die Verlagerung der «schweren Aktivitäten», darunter des Giessereibetriebs, von Reconvillier im Kanton Bern nach Dornach in den Nachbarkanton Solothurn, bekannt gegeben. In Reconvilier soll noch die Sparte Drähte und Stangen verbleiben. Die Beschäftigten im bernischen Jura lehnten diese Entscheidung vollumfänglich ab. An der Personalversammlung wurde die Arbeitsniederlegung mit 218 gegen 32 Stimmen beschlossen. Die Proteste weiteten sich dermassen aus, dass sich sogar Bundesrat Joseph Deiss als Vermittler zwischen den Sozialpartnern in den Arbeitskonflikt einmischte. Joseph Deiss war einerseits der eifrigste Verfechter des Gesamteuropäischen Arbeitsmarktes, andererseits ging im die Verlagerung von diesen Stellen über eine Distanz von 55 Kilometern klar zu weit.
Ähnlich Groteskes spielte sich bei der Umstrukturierung der Hirz Milchprodukte auf dem Hirzel ab. Den Arbeitnehmern wurden Anstellungen in Emmen und Dagmersellen angeboten. Wie stets artete die Situation in Protest aus. Wohl mancher Europafanatiker, fand es nicht mehr gemütlich als er selber ein kleines Opfer für die wirtschaftliche Effizienzsteigerung hätte erbringen müssen. Ein Argument wieso diese Umstrukturieung unmöglich sei war, dass viele Angestellte seit vielen Jahren im Gebiet Hirzel wohnhaft seinen. Scheinbar macht es uns wenig aus die ewig Vertriebenen und Herumverteilten weiter Umzuverteilen, aber bestimmt nicht die Sesshaften, welchen es lange Zeit sehr gut ging. Der Europäische Arbeitsmarkt als Modell für die Randständigen und Flexiblen, aber bestimmt nicht für einem selbst. Ein anderes Votum war der Hausbesitz der Leute, welchen man nicht aufgeben möchte. Womöglich müsste man mit Verlust verkaufen. Eine Vorstellung, die die Protestler zur Rage brachte. Auch hier wieder: Der liberalisierte Arbeitsmarkt für die Schwachen, Faulen und Armen, aber bestimmt nicht für vermögende Eigenheimbesitzer. Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass die Distanz vom Hirzel nach Dagmersellen 59 Kilometer beträgt, nach Emmen (der Hauptproduktionsstätte) gar bloss 32 Kilometer. Eine Distanz, welche sich in weniger als dreissig Minuten zurücklegen lässt.