Der Arbeitsmarkt in der Schweiz unter der Personenfreizügigkeit mit der EU

Januar 24, 2008

Erschwerte Kommunikation erwünscht

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Ich war vor etwa zehn Jahren in einer mittelgrossen deutschschweizer Firma mit zwei Niederlassungen im Mittelland angestellt. Die Kunden des Unternehmens waren ebenfalls Firmen aus der Deutschschweiz. Eigenartigerweise deklarierte diese Firma ihre Betriebssprache. Mir war bisher nie aufgefallen, dass Betriebe dies tun und stellte mir vor was wohl geschehen würde, wenn sich eine Abteilung während einer Besprechung in einer anderen Sprache, welche allen genehm ist, mitteilen würde?

Die Firmensprache wurde nicht bloss kleingedruckt zwischen Haufen von Seiten in irgendeinem Reglement zitiert welches niemand liest, sondern es wurde den Angestellten stets eingetrichtert, welches diese offizielle Sprache ist oder besser sind. Denn es waren zwei: Deutsch und Englisch. Auch wurde betont, dass diese Sprachen gleichwertig und austauschbar agieren. Dies hiess, dass man sich nicht zu entscheiden hatte, welche Sprache man für einen Anlass wählte, sondern konnte nach belieben between these zwei hin und back wechseln, wie you like es.

Wenn man sich dann in der Firma bewegte, merkte man rasch, dass das Englische sehr wenig zur Anwendung kam und es zu sprechen einer Mehrheit der Mitarbeiter schwer fiel. Es entstand verschiedentlich auch der Eindruck, dass es Bewerber ohne Deutschkenntnisse etwas schwieriger hatten. Zur Erklärung, wieso trotzdem das Englische als gleichwertige Firmensprache gewählt wurde, fallen zwei Beobachtungen ins Gewicht:

1) Die Firma gab sich gerne als global aus: Umfassende Lösungen zu allen denkbaren Problemen für ein breite Schicht von Kunden. Man war zwar spezialisiert, aber eben auf alles. Es kursierte das Gerücht, dass bei einer Besprechung, wo es darum ging auf was man fokussieren sollte, ein Manager meinte, wieso man nicht gleich auf alles fokussiere. Dem Kunden wurde höchste Professionalität und Weitsicht vorgegaukelt und man dachte man könne dies als mittelgrosses Deutschschweizer Unternehmen (mit mehrheitlich deutschschweizer Angestellten) unterstreichen indem man sich mit der Wirtschafts- und Wissenschaftssprache Englisch schmückt.

2) Der Geschäftsleiter hatte in jungen Jahren für kurze Zeit eine teuer bezahlte Ausbildung in den USA absolviert. Seither gibt er sich als Weltenbürger. Dieser Teil seiner Ausbildung in den USA, kann er bloss zum Vorteil seiner Karriere ausnützen, wenn dies auch als besondere Qualifikation erkannt wird. Also muss deren Wichtigkeit betont werden. Dabei hilft das Unterstreichen vom Englischen als die Sprache, in der beflissene Wirtschaftskoryphäen millionenschwere Verträge abschliessen.

Zu Punkt zwei lässt sich noch sagen, dass es wohl das Bestreben eines jeden Einzelnen ist, seine Investitionen in Ausbildung und Karriere zu vergolden. Das Problematische im beschriebenen Fall ist, dass daraus Nachteile für die Unternehmung resultieren, nämlich erschwerte Kommunikation und Bürokratie. Damit wären wir bei Punkt eins. Die ganze Geschichte um das Proklamieren einer firmeninternen Fremdsprache, gleicht einer Werbeaktion, bei der die Kompetenz der Firma schöngeredet wird. Leider muss man sich aber über die Konsequenzen im klaren sein, wenn es tatsächlich zur Anwendung kommen sollte.

Der Zufall wollte es, dass in meiner Abteilung ein Engländer arbeitete. Einer der ganz wenigen im Betrieb mit Gewandtheit im Englischen. Zudem konnte er auch gut Deutsch. An Sitzungen konnte er sich bestens durchsetzen. Einmal sagte er mir, dass er den Entscheid, Englisch als gleichwertige Unternehmenssprache zu werten, nicht nachvollziehen könne. Er könne jegliche Diskussion jederzeit zu seinen Gunsten lenken indem er auf Englisch ausweiche. Die Mitarbeiter agieren danach meist unbeholfen. Wieso, so fragte er, gibt das Management seine Kompetenzen dermassen leichtfertig aus der Hand? Genausogut wie von den Englischsprachigen könnte man den Betrieb von allen Mitarbeitern mit Eisenmangel oder von Guatemaltekischen Ureinwohnern führen lassen.

Die Offenheit der Schweiz bringt Menschen zu uns, die oft der Landessprachen nicht mächtig sind. Zwar ist es jedem Betrieb überlassen, ob sie diese Menschen anstellen und dadurch die interne Kommunikation erschweren wollen. Am Besten funktioniert die Kommunikation, wenn man sich auf eine gemeinsame, einer Mehrheit bestens vertrauten Sprache einigt. Typischerweise ist dies eine Landessprache. Werden die Vertreter der Minderheitensprache jedoch zahlreich innerhalb einer Gruppe, so können sie leicht die offizielle Kommunikation umgehen oder in ihre Bahnen lenken. Dass die Schweizer dies oft zulassen und sich dadurch selber ins Aus manövrieren ist immer wieder erstaunlich anzusehen.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Bemühungen das Bundes zwar Leute in die Schweiz zu bitten, sich aber im Umgang mit deren Sprachproblemen im Alltag schwer zu tun. Bundesrat Blocher forderte die Beherrschung einer Landessprache um im Land bleiben zu dürfen und den Besuch von Sprachkursen als Voraussetzung für die Aufenthaltsbewilligung (Interview der «Neuen Luzerner Zeitung»). Das Amüsante daran ist, dass etwa Albanische Asylanten meist sehr gut Italienisch sprechen und deswegen vom Blocherschen Zorn nicht betroffen wären, obwohl ihnen diese Kenntnis in der Deutschschweiz wenig nützt. Manager aus Übersee wären demgegenüber aber sehr wohl betroffen. Da der Bundesrat aber bald einsah, dass für ihn Ausländer nicht gleich Ausländer sind, wurden obige Formulierungen bald abgeändert von „Aufenthaltsbewilligung gebunden an obligatorischen Sprachunterricht“ auf „die Behörden können verlangen, dass“.

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