Der Arbeitsmarkt in der Schweiz unter der Personenfreizügigkeit mit der EU

Januar 30, 2008

Schlechtrede Strategie bei Bewerbungsgesprächen

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — Schlagworte: , , , , — wanderarbeiter @ 11:21

Bei meinen bisherigen Bewerbungsgesprächen ist mir aufgefallen, dass sich zwar Jedermann höflich benimmt, man aber tendenziell schlecht gemacht wird. Dabei wird zuerst der eigene Betrieb über alles gelobt und einem bewusst gemacht, dass man bestenfalls einen eher bescheidenen Gewinn zum täglichen Arbeitsprozess beisteuern wird. Ich habe dann das Gefühl, dass sich diese Leute mir gegenüber eher unsicher und bedroht fühlen. Erstens, wollen sie aus einem unnötigen Minderwertigkeitskomplex heraus ihre eigene Qualifikation, im Verhältnis zu jener des Bewerbers, schön reden. Dem Betrieb bringen diese Spielchen freilich wenig. Zweitens aber erzwingt man sich vom Kandidaten dadurch eine gesteigerte Kompromissbereitschaft, wenn sich die Diskussion später um Lohn- und Arbeitsbedingungen dreht.

Eigenartigerweise nimmt man damit eine Demotivation des potentiellen Mitarbeiters in Kauf. Dass dies zum Spiel einzelner Betriebe gehört scheint unausweichlich, dass dies aber, nach meinen Erfahrungen, eher zur Regel eines Bewerbungsgesprächs gehört, lässt aufhorchen.

Also fragt man sich, während man so da sitzt, wieso man überhaupt für ein Gespräch eingeladen wurde. Wenn man schliesslich aber, trotz scheinbar bescheidener Qualifikation, die Stelle angeboten erhält, läuten die Alarmglocken. Der versierte Gesprächspartner, falls geschickt, meint aber, dass man sehr zuversichtlich der künftigen Zusammenarbeit entgegensieht und dass sich die fehlende Qualifikation bestimmt aufholen lässt (wieso hat man dann nicht gleich einen – ihrer Ansicht nach – Qualifizierten eigestellt?). Trotzdem ist der Betrieb an einer Zusammenarbeit interessiert, muss aber leider die Anstellungsbedingungen den scheinbar schlechten Voraussetzungen anpassen (gemäss Firmenreglement oder noch besser: gemäss Marktbedingungen).

Sobald man sich im Betrieb eingerichtet hat, realisiert man, dass es mit der Qualifikation der Mitarbeiter nicht zu Besten steht. Da diese fachlich verloren sind, umschreiben sie ihre Fähigkeiten mit Schlagworten wie „seit fünfzehn Jahren im Betrieb“, oder „habe bereits miterlebt wie dies noch ohne Computer gemacht wurde“. Die Erklärung, inwiefern dieses Wissen dem Betrieb weiterhilft, bleiben diese verzweifelten Menschen einem jedoch schuldig. Durch diese Anstellungs-Taktik torpediert die Firma die Motivation der neuen Mitarbeiter nachhaltig. Die Dynamischeren unter ihnen werden sich wohl bald anderswo umsehen, die Gesättigteren werden es sich im Betrieb gemütlich machen.

Dass das eben beschriebene Vorgehen dermassen verbreitet ist, spricht dafür, dass die Rechnung für die Firma eben doch auf geht: Wenig motivierte Mitarbeiter, welche sich alsbald neu arrangieren oder den Betrieb wieder verlassen; dafür geringere Personalkosten.

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