Der Arbeitsmarkt in der Schweiz unter der Personenfreizügigkeit mit der EU

Februar 11, 2008

Vergleiche und Konkurrenzfähigkeit im Arbeitsmarkt

Die exorbitanten Gehälter und Boni derjenigen, die selber ihre Bezüge bestimmen dürfen, werden mit Verweis auf sorgfältig ausgewählte Vergleichs-Firmen gerechtfertigt. Diese Referenzfirmen werden sehr selektiv ausgesucht und sind nicht weltweit repräsentativ, sondern einzelne Grossunternehmungen in den USA. Zwar sind die Bezüge der Kader in diesen Firmen vergleichbar hoch (was man gerne als Referenz beizieht) andererseits ist aber die Arbeitsplatzsicherheit und die Situation der rechtlichen Haftung in den USA vergleichsweise ungünstig für Mitarbeiter (was man ungerne als Vergleich zuzieht). Fälle von Geldwäscherei, Insiderhandel oder ungetreuer Geschäftsführung werden in den USA mit mehrjähriger Gefängnissstrafe geandet, während dies in der Schweiz lediglich eine Rüge der Bankenaufsichtskommission zur Folge hat.

Die Selektion der Vergleichsmodelle ist aber auch anderweitig interessant. Während sich die obersten Kader mit den Privilegiertesten vergleichen und betonen, dass sie ebenfalls den gleichen Anspruch hätten (ohne aber gleichzeitig deren Nachteile zu übernehmen), werden die gemeinen Arbeiter mit der Masse von chinesischen Billigarbeitern in verglichen. Traditionelle Zugständnisse an die Arbeiterschaft werden in Frage gestellt mit dem Verweis auf die Konkurrenzfähigkeit und der Drohung, dass sich unsere Wirtschaft von der chinesischen Konkurrenz ein- und überholen lassen wird, weil die übertriebene Gutmütigkeit gegenüber den Arbeitenden nicht konkurrenzfähig sei. Oder wie ein Kadermitarbeiter der Bank Wegelin es an einem Vortrag formulierte: Die AHV ist im globalisierten Markt ein Wettbewerbsnachteil, da diese Abgabe an chinesische Arbeiter nicht geleistet werden muss.

Gemäss einem Bericht des Medizinischen Journals „The Lancet“ vom Januar 2007 gibt es in China Fälle in denen Kranke vom Spital weggewiesen werden, wenn sie die Behandlungskosten nicht bezahlen können. Es wird auch von daraus resultierenden Todesfällen berichtet, bei denen es um kleinste Geldzahlungen ging (eine Anzahlung konnte zwar geleistet werden, was aber nicht genügte). Während sich die internationale medizinische Fachwelt über solche Vorkommnisse empört, darf man annehmen, dass das schweizerische Top-Kader voll des Lobes ist auf ein effizientes und kostensparend chinesisches Gesundheitssystem, welches im Sinne der Wirtschaft Kosten spart und so Konkurrenzfähigkeit gewährleistet, die schliesslich – via wirtschaftlicher Prosperität – allen zugute kommt.

Interessant ist auch ein anderer Vergleich: Während die obersten Kader horrende Bonuszahlungen benötigen um gute Arbeit zu leisten, brauchen die gemeinen Arbeiter Druck. Diesen will man via Personenfreizügigkeit erhöhen. Während die Einen also bloss unter einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen anfangen produktiv zu sein, sind die Anderen dies bloss unter der zusätzlichen Motivation durch Geschenke.

Wie man es auch nimmt, es ist jedem überlassen mit wem man sich und die Mitmenschen vergleichen will. Der Dumme ist nur, wer diesen Vergleichen Glauben schenkt.

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