Der Arbeitsmarkt in der Schweiz unter der Personenfreizügigkeit mit der EU

Februar 18, 2008

Fälschungen sind gut für die Inlandproduktion

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — Schlagworte: , , , , , , — wanderarbeiter @ 2:40

Am 16. Januar 2007 wurde vom Marketingarm der Schweizer Industriellenvereinigung die „Stop Piracy“ Kampagne lanciert. Seitdem trifft man (für sehr kurze Zeit bloss) an Plakatwänden auf Aufschriften die versuchen dem Konsumenten ins Gewissen zu reden, damit dieser keine Nachahmerprodukte kauft. Diese seinen zwar günstiger als Originalartikel, gefährden aber Arbeitsplätze und seinen deswegen gefährlich. Die Aktion appelliert an die Konsumenten freiwillig teurere Produkte zu kaufen.

Mit der gleichen Argumentation hätte man auch eine Kampagne gegen den Einkauf jenseits der Grenze starten können; oder den Firmen die Verlegung von Arbeitsplätzen ins Ausland oder die Anstellung ausländischer Arbeitskräfte ausreden können. Die Aktion sagt uns soviel: Ihr bezahlt zwar zuviel für gewisse Produkte, aber dies ist nur zu Eurem Nutzen, nicht zu unserem.

Gefälschte Produkte stammen häufig aus China, dem Referenz-Arbeitsmarkt der westlichen Grossindustriellen. China wird gerne zitiert um Arbeitnehmer einzuschüchtern: Mieser Lohn, keine Sozialleistungen, kein Aufmekern, perfekter Kapitalismus. Das Fälscherhandwerk geht so, dass während der Nacht eine zusätzliche Schicht einlegt wird, während der, mit original Werkzeugen und original Teilen, die Fälschungen hergestellt werden. In der gleichen Fabrik von denselben Menschen welche auch das Original herstellen. Die Fälschung ist somit zu hundert Prozent identisch mit dem Originalprodukt, einzig das man dafür den effektiven Marktpreis zahlt. Dank den geringen Produktionskosten (und „gratis“-Materialien) ist dieser viel tiefer als der Originalpreis, wo der Endverkäufer kräftig zulangt und den Preis mit Schein-Patenten stützt.

Produktionsstandorte in China geraten deswegen zur riskanten Investition. Sie sind mit teueren Kontrollen verbunden, ansonsten birgt man die Gefahr die viel wettbewerbsfähigeren Nachahmerprodukte gleich selber zu fördern und finanzieren. Gemäss dem US Magazin TIME sind etliche Firmen im Verlaufe der Jahre skeptisch geworden und haben Produktionsstätten konsequenterweise wieder aus China abgezogen. Dies zum grossen Nutzen der einheimischen Produktion. In diesem Sinne sind die Probleme mit Fälschungen eine der wenigen Faktoren, die einheimische Unternehmen daran hindern, sich komplett vom bisherigen, westlichen Produktionsstandort zu verabschieden.

Mit der „Stop Piracy“-Kampagne richten sich die Unternehmen direkt an den Konsumenten und erhoffen sich Unterstützung, damit dieser hilft den ausländischen Standort zu stärken. Boykottiert der Konsument Nachahmerprodukte, so zahlt er nicht nur einen Preis der weit über dem liegt, was gemäss Produktionskosten gerechtfertigt wäre, sondern macht sich auch noch Mitschuldig den Niedergang der Inlandproduktion, und der damit verbundenen Arbeitsplätze, zu beschleunigen.

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