Geschäftskonsumenten
Kürzlich wollte ich eine Eintrittskarte für ein eineinhalbstündiges Konzert von Elvis Costello and Allen Toussaint in Luzern kaufen. Der Preis dafür gab man weder in der Werbung noch im Internet bekannt. Dafür traf mich fast der Schlag als ich, am Vorverkaufsschalter der Post, vernahm, dass die billigste Karte (Stehplatz) 100 Franken kostet. Also hab ich es sein lassen.
Ich habe mich danach noch ein wenig im Internet umgeschaut nach Preisausschreiben, um diesen Eintritt zu gewinnen und wurde mehrfach fündig. Es gab scheinbar haufenweise Firmen, welche stolz verkündeten diese Musikveranstaltung als Sponsor zu unterstützen. Zuerst wundert man sich, wieso man solche horrende Preise verlangt, wenn es doch dermassen viele Sponsoren und Werbung gibt? Dies Situation kennt man auch von grossen Fussballveranstaltungen wie EM und WM. Von den Sportveranstaltungen ist bekannt, dass der grosse Teil der Eintrittskarten unter dem Tisch zu den Sponsoren verschwindet. Auch nicht verwunderlich, dass man bei Fernsehübertragungen irgendwelcher Hundsverlocheten in den vorderen Reihen stets herausgeputzte Managertypen mit ihren kandiderten Gattinnen sieht. Es scheint fast, dass der Konsum bei gewissen Sport- und Spass-Veranstaltungen mehrheitlich durch Firmen abgedeckt wird. Menschen gehen da bloss noch hin wenn sie von Firmen eingeladen werden. Dass dadurch oft viele Plätze leer bleiben scheint auch nicht weiter zu stören, bezahlt sind diese alleweil.
Nun kann man noch dazurechnen wie Unternehmen auch anderswo mitkonsumieren und so die Preise hochtreiben und für den Privatbieter unerschwinglich machen: Etwa im Wohnungsmarkt, oder bei Ferien, Autos, Versicherungen etc. Zwar gab es früher bereits Firmenwohnangebote, bloss waren diese für die einfacheren Arbeiter gedacht und auf sparsame Weise extra für die Arbeiterschaft errichtet und daher kaum eine Konkurrenz auf dem Liegenschaftsmarkt. Inzwischen hat eine Kehrtwende stattgefunden. Die einfachen Arbeiter müssen für ihr Privatleben selber schauen, während die oberen Kader auch da vom Firmeneinfluss profitieren.
In diesem Zusammenhang interessant sind auch die Aktienrückkaufsprogramme grosser Firmen. Diese haben in letzter Zeit ein immenses Ausmass erreicht. So kaufte die UBS eigene Aktien im Umfang von fast 16 Milliarden Franken. Anstatt diese zu vernichten werden die Aktien häufig über Aktienoptionsprogramme an Mitarbeiter neu ausgegeben. Damit geht dem Altaktionär die erwartete Kurssteigerung durch die angenommene Verringerung der Anzahl im Umlauf befindlicher Aktien abhanden und die Firma tritt einmal mehr als Konsument auf und verzerrt so den Markt.
In den USA werden schwer erschwingliche Angebote, etwa die Krankenversicherung oder die Kosten an den Privatschulen, für die gesamte Familie der Mitarbeitenden vom Arbeitgeber übernommen. Gleichzeitig werden die grossen Firmen durch Zukäufe stets grösser und in manchen Sektoren und Regionen herrschen bereits Monopole (so hat etwa der alleinige Elektrizitätszulieferer an der Mittleren Ost-Küste, Constellation Energy, die Preise in 2006 kurzerhand um über 70% angehoben). Wenn man sich dieses kapitalistische Spiel weiterdenkt, dass es bloss noch einige Gross-Firmenkonglomerate gibt, welche aber für ihre Mitarbeiter den halben Privatkonsum organisieren und finanzieren, dann ist man nicht mehr weit weg von sozialistischen Verhältnissen. Dann wenn die Unternehmen ihren Auftritt als Konsumenten dermassen überspannen, dass es sich der Einzelne nicht mehr leisten kann mit zu bieten und sich bloss noch von den Firmen bedienen lassen kann.