Der Arbeitsmarkt in der Schweiz unter der Personenfreizügigkeit mit der EU

Mai 29, 2008

Geschäftskonsumenten

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — Schlagworte: , , , , — wanderarbeiter @ 6:51 Uhr vormittags

Kürzlich wollte ich eine Eintrittskarte für ein eineinhalbstündiges Konzert von Elvis Costello and Allen Toussaint in Luzern kaufen. Der Preis dafür gab man weder in der Werbung noch im Internet bekannt. Dafür traf mich fast der Schlag als ich, am Vorverkaufsschalter der Post, vernahm, dass die billigste Karte (Stehplatz) 100 Franken kostet. Also hab ich es sein lassen.

Ich habe mich danach noch ein wenig im Internet umgeschaut nach Preisausschreiben, um diesen Eintritt zu gewinnen und wurde mehrfach fündig. Es gab scheinbar haufenweise Firmen, welche stolz verkündeten diese Musikveranstaltung als Sponsor zu unterstützen. Zuerst wundert man sich, wieso man solche horrende Preise verlangt, wenn es doch dermassen viele Sponsoren und Werbung gibt? Dies Situation kennt man auch von grossen Fussballveranstaltungen wie EM und WM. Von den Sportveranstaltungen ist bekannt, dass der grosse Teil der Eintrittskarten unter dem Tisch zu den Sponsoren verschwindet. Auch nicht verwunderlich, dass man bei Fernsehübertragungen irgendwelcher Hundsverlocheten in den vorderen Reihen stets herausgeputzte Managertypen mit ihren kandiderten Gattinnen sieht. Es scheint fast, dass der Konsum bei gewissen Sport- und Spass-Veranstaltungen mehrheitlich durch Firmen abgedeckt wird. Menschen gehen da bloss noch hin wenn sie von Firmen eingeladen werden. Dass dadurch oft viele Plätze leer bleiben scheint auch nicht weiter zu stören, bezahlt sind diese alleweil.

Nun kann man noch dazurechnen wie Unternehmen auch anderswo mitkonsumieren und so die Preise hochtreiben und für den Privatbieter unerschwinglich machen: Etwa im Wohnungsmarkt, oder bei Ferien, Autos, Versicherungen etc. Zwar gab es früher bereits Firmenwohnangebote, bloss waren diese für die einfacheren Arbeiter gedacht und auf sparsame Weise extra für die Arbeiterschaft errichtet und daher kaum eine Konkurrenz auf dem Liegenschaftsmarkt. Inzwischen hat eine Kehrtwende stattgefunden. Die einfachen Arbeiter müssen für ihr Privatleben selber schauen, während die oberen Kader auch da vom Firmeneinfluss profitieren.

In diesem Zusammenhang interessant sind auch die Aktienrückkaufsprogramme grosser Firmen. Diese haben in letzter Zeit ein immenses Ausmass erreicht. So kaufte die UBS eigene Aktien im Umfang von fast 16 Milliarden Franken. Anstatt diese zu vernichten werden die Aktien häufig über Aktienoptionsprogramme an Mitarbeiter neu ausgegeben. Damit geht dem Altaktionär die erwartete Kurssteigerung durch die angenommene Verringerung der Anzahl im Umlauf befindlicher Aktien abhanden und die Firma tritt einmal mehr als Konsument auf und verzerrt so den Markt.

In den USA werden schwer erschwingliche Angebote, etwa die Krankenversicherung oder die Kosten an den Privatschulen, für die gesamte Familie der Mitarbeitenden vom Arbeitgeber übernommen. Gleichzeitig werden die grossen Firmen durch Zukäufe stets grösser und in manchen Sektoren und Regionen herrschen bereits Monopole (so hat etwa der alleinige Elektrizitätszulieferer an der Mittleren Ost-Küste, Constellation Energy, die Preise in 2006 kurzerhand um über 70% angehoben). Wenn man sich dieses kapitalistische Spiel weiterdenkt, dass es bloss noch einige Gross-Firmenkonglomerate gibt, welche aber für ihre Mitarbeiter den halben Privatkonsum organisieren und finanzieren, dann ist man nicht mehr weit weg von sozialistischen Verhältnissen. Dann wenn die Unternehmen ihren Auftritt als Konsumenten dermassen überspannen, dass es sich der Einzelne nicht mehr leisten kann mit zu bieten und sich bloss noch von den Firmen bedienen lassen kann.

Mai 21, 2008

Feiertage

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — Schlagworte: , , , , , , — wanderarbeiter @ 12:18 Uhr nachmittags

Letztes Jahr genoss ich übers ganze Jahr verteilt fast so viele Feiertage wie Ferientage. Viele davon sind religiös motiviert. Trotzdem bleiben die Kirchen an diesem Tag so leer wie stets. Die Leute freuts, dass sie frei haben, der Grund dafür ist ihnen schlussendlich egal, und in die Kirche bringt sie höchstens ein Todesfall. Lieber frönt man Tennis am Fernseher oder einem Grillplausch am See (Nahe der Autobahnausfahrt).

Man muss nicht sehr alt sein um sich noch zu erinnern, wie es dem staatlichen Schweizer Fernsehen einmal verboten war an Feiertagen Werbung zu senden. Heutzutage haben bereits dermassen viele Verkaufshäuser eine Feiertagsverkaufs-Spezialbewilligung, dass einem schnell klar wird worin der Sinn solcher Feiertage noch besteht. Bisher gab es in einzelnen Regionen auch Feiertagsverbote für gewisse Anlässe, etwa Motocross-Veranstaltungen. Diese Restriktionen fallen nun nach und nach. Auch ist es dem lokalen Gewerbe ein Dorn im Auge, dass Katholiken ihre Feiertags-Einkäufe in benachbarten reformierten Kantonen tätigen, und fordern darum ebenfalls gleiches Recht ihre Läden zu öffnen, was - wie gesagt - bereits teilweise umgesetzt wurde.

Wenn nun aber die Leute lieber Motocross statt Heilig Kreuz haben, wäre es da nicht ehrlicher den alten Zopf der Kirchenfeiertage zu streichen und dafür den Leuten zehn bis zwanzig zusätzliche - frei beziehbare - Feiertage zu schenken? Viele Betriebe, mit Niederlassungen in mehreren Kantonen, kennen eine Regelung, die es denjenigen, welche in Feiertags-unterdotierten Regionen wohnen, erlaubt zusätzliche Ferientage zu beziehen, um so Ferien-Ungerechtigkeiten innerhalb der Firma aus zu gleichen. Nur ist dies ebenfalls Ungerecht, da die Oft-Feiertägler, gezwungen sind ihren Grillplausch genau an Allerheiligen - an dem es oft trüb, nass und neblig ist - zu absolvieren, während die glücklichen Anderen diesen Tag gezielt auf einen besseren Termin schieben können (zum Beispiel auf einen Freitag im Sommer).

Seit ich mit öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit fahre ist mir, beim Beobachten der Mitreisenden, aufgefallen, dass die Leute erstens am Morgen kaputter sind als am Abend und es ihnen zweitens umso mieser geht, je mehr Feiertage sie unmittelbar zuvor genossen haben. Es scheint mir evident, dass der durchschnittliche Schweizer Arbeiter nicht Feiertage geniesst um sich von der Arbeit zu erholen, sondern umgekehrt. Zugegeben, die Festtage über Neujahr können streng sein und der erste Arbeitstag am zweiten Januar für Manche kein Honigschlecken. Wenn man aber am dritten Januar in die Gesichter der ausgepumpten Leute guckt, welche den zweiten Januar - den Bechtoldstag - ebenfalls frei hatten, wird einem rasch klar, dass zusätzliche Freitage nicht grössere Erholung bedeuten.

Der erste August war bis in die Neunziger Jahre nicht als eidgenössischer Feiertag geregelt. In einzelnen Kantonen war er gar nicht, oder bloss zur Hälfte arbeitsfrei. Es gab auch wenige Firmen welche eine Sonderregelung fuhren. Seit der Nationalfeiertag ein eidgenössischer Feiertag ist hat sich Sonderbares ereignet. An einigen Orten findet die Nationalfeier nicht mehr am ersten August, sondern am 31. Juli statt, mit der Begründung, man will dass die Leute bis lange in die Nacht feiern können ohne am nächsten Morgen müde zur Arbeit erscheinen zu müssen. Dies ist jedoch ein Trugschluss, wie obig ausgeführten Beobachtungen zeigen. Viel aufschlussreicher ist die Beobachtung, dass in vielen kleineren Gemeinden die Feierlichkeiten zum ersten August gar nicht mehr stattfinden. Ich bin in einer Gemeinde aufgewachsen, wo die Feierlichkeiten seit Jahrzehnten stattfanden, solange der erste August ein gewöhnlicher Arbeitstag war. Sobald dieser zum Feiertag wurde, gingen die Leuten interessanteren Freizeitaktivitäten nach und die Festivitäten konnten wegen mangelnder Teilnehmerzahl nicht mehr durchgeführt werden. Ebenso erging es zahlreichen Gemeinden in der Umgebung. In der gleichen Zeit wuchs die Bevölkerungszahl massive an und einige Gemeinden wurden zu grösseren Einheiten fusioniert.

Die Begründung, dass man einen Feiertag einführen will um einer Sache speziell zu huldigen ist somit klar ad absurdum geführt. Will man eine Angelegenheit deutlich schwächen oder gar ausrotten, dann sollte man ihr einen Feiertag widmen.

Mai 15, 2008

Fallende Visa Restriktionen erhöht Druck auf qualifizierte Arbeitnehmer in den USA

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — Schlagworte: , , , , — wanderarbeiter @ 8:34 Uhr vormittags

Der San Francisco Chronicle beschrieb, in der Ausgabe vom 29. September 2000, die negativen Auswirkungen milder Visa Restriktionen auf die Arbeitsmarktsituation. Das bestehende US Immigrationsgesetz begrenzte bis anhin die Anzahl Visen, welche die Industrie geltend machen darf, um Ingenieure anzustellen. Nachdem sich die Arbeitgeber in Silicon Valley beklagten, ihnen würden die gut ausgebildeten Mitarbeiter fehlen, wurde die Visa-Kontingentierung schliesslich gelockert. Also Folge organisierten die Arbeitnehmer auch bestehende Arbeitsverträge neu. Es wurden bloss noch individuelle Arbeitsverträge ausgehandelt und das Recht sich zu organisieren untersagt. Das H1-B Visa Programm gab den Arbeitgeber zudem nicht nur die Möglichkeit nach belieben die Arbeiter anzustellen und wieder zu feuern, sondern auch die Konzession für den legalen Immigrationsstatus zu erteilen. Wenn sich also ein ausländischer Arbeiter aufmüpfig verhielt, konnte dieser vom Arbeitgeber nicht nur entlassen, sondern auch gleich noch des Landes verwiesen werden. Computer-Spezialisten aus Indien, welche unter dem neuen Regime angestellt wurden berichteten von massiven Lohnabzügen ohne rückwirkende Erstattung und sieben Tage Woche ohne Überzeitenentschädigung.

Arbeitgeber machen für die Massnahme den Mangel an einheimischen Arbeitskräften geltend, während Arbeitnehmerorganisation davon ausgehen, dass das Ziel davon sei die Arbeitskosten, zu Lasten der Arbeiter, zu drücken. Ausserdem schützt des Anstellen von Migranten die Industrie vor Arbeitnehmerforderungen. Der Aufruf zur verstärkten Ausbildung und Einstellung einheimischer Arbeitskräften wurde ignoriert zugunsten abhängiger Arbeitnehmer und höherem Profit.

Die Industrie im Silicon Valley spendet derweil massiv an beide grossen amerikanischen Parteien um die Visa-Lockerungen zu stützen und gar auszuweiten. Würden diese die Millionenzahlungen, anstatt an die Politiker, an die eigene Arbeitnehmer ausrichten, würden sie problemlos diejenigen Arbeitskräfte finden, die sie benötigen.

Opposition macht sich vor allem aus Kreisen von Minderheiten breit. Afro-Amerikanische und Latino-Amerikanische Ingenieure protestieren gegen die Ausweitung des Visa Kontingents, da diese als Erste als direkte Folge davon ihre Stelle verloren.

Bloggen Sie auf WordPress.com.