Der Arbeitsmarkt in der Schweiz unter der Personenfreizügigkeit mit der EU

Mai 21, 2008

Feiertage

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — Schlagworte: , , , , , , — wanderarbeiter @ 12:18

Letztes Jahr genoss ich übers ganze Jahr verteilt fast so viele Feiertage wie Ferientage. Viele davon sind religiös motiviert. Trotzdem bleiben die Kirchen an diesem Tag so leer wie stets. Die Leute freuts, dass sie frei haben, der Grund dafür ist ihnen schlussendlich egal, und in die Kirche bringt sie höchstens ein Todesfall. Lieber frönt man Tennis am Fernseher oder einem Grillplausch am See (Nahe der Autobahnausfahrt).

Man muss nicht sehr alt sein um sich noch zu erinnern, wie es dem staatlichen Schweizer Fernsehen einmal verboten war an Feiertagen Werbung zu senden. Heutzutage haben bereits dermassen viele Verkaufshäuser eine Feiertagsverkaufs-Spezialbewilligung, dass einem schnell klar wird worin der Sinn solcher Feiertage noch besteht. Bisher gab es in einzelnen Regionen auch Feiertagsverbote für gewisse Anlässe, etwa Motocross-Veranstaltungen. Diese Restriktionen fallen nun nach und nach. Auch ist es dem lokalen Gewerbe ein Dorn im Auge, dass Katholiken ihre Feiertags-Einkäufe in benachbarten reformierten Kantonen tätigen, und fordern darum ebenfalls gleiches Recht ihre Läden zu öffnen, was – wie gesagt – bereits teilweise umgesetzt wurde.

Wenn nun aber die Leute lieber Motocross statt Heilig Kreuz haben, wäre es da nicht ehrlicher den alten Zopf der Kirchenfeiertage zu streichen und dafür den Leuten zehn bis zwanzig zusätzliche – frei beziehbare – Feiertage zu schenken? Viele Betriebe, mit Niederlassungen in mehreren Kantonen, kennen eine Regelung, die es denjenigen, welche in Feiertags-unterdotierten Regionen wohnen, erlaubt zusätzliche Ferientage zu beziehen, um so Ferien-Ungerechtigkeiten innerhalb der Firma aus zu gleichen. Nur ist dies ebenfalls Ungerecht, da die Oft-Feiertägler, gezwungen sind ihren Grillplausch genau an Allerheiligen – an dem es oft trüb, nass und neblig ist – zu absolvieren, während die glücklichen Anderen diesen Tag gezielt auf einen besseren Termin schieben können (zum Beispiel auf einen Freitag im Sommer).

Seit ich mit öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit fahre ist mir, beim Beobachten der Mitreisenden, aufgefallen, dass die Leute erstens am Morgen kaputter sind als am Abend und es ihnen zweitens umso mieser geht, je mehr Feiertage sie unmittelbar zuvor genossen haben. Es scheint mir evident, dass der durchschnittliche Schweizer Arbeiter nicht Feiertage geniesst um sich von der Arbeit zu erholen, sondern umgekehrt. Zugegeben, die Festtage über Neujahr können streng sein und der erste Arbeitstag am zweiten Januar für Manche kein Honigschlecken. Wenn man aber am dritten Januar in die Gesichter der ausgepumpten Leute guckt, welche den zweiten Januar – den Bechtoldstag – ebenfalls frei hatten, wird einem rasch klar, dass zusätzliche Freitage nicht grössere Erholung bedeuten.

Der erste August war bis in die Neunziger Jahre nicht als eidgenössischer Feiertag geregelt. In einzelnen Kantonen war er gar nicht, oder bloss zur Hälfte arbeitsfrei. Es gab auch wenige Firmen welche eine Sonderregelung fuhren. Seit der Nationalfeiertag ein eidgenössischer Feiertag ist hat sich Sonderbares ereignet. An einigen Orten findet die Nationalfeier nicht mehr am ersten August, sondern am 31. Juli statt, mit der Begründung, man will dass die Leute bis lange in die Nacht feiern können ohne am nächsten Morgen müde zur Arbeit erscheinen zu müssen. Dies ist jedoch ein Trugschluss, wie obig ausgeführten Beobachtungen zeigen. Viel aufschlussreicher ist die Beobachtung, dass in vielen kleineren Gemeinden die Feierlichkeiten zum ersten August gar nicht mehr stattfinden. Ich bin in einer Gemeinde aufgewachsen, wo die Feierlichkeiten seit Jahrzehnten stattfanden, solange der erste August ein gewöhnlicher Arbeitstag war. Sobald dieser zum Feiertag wurde, gingen die Leuten interessanteren Freizeitaktivitäten nach und die Festivitäten konnten wegen mangelnder Teilnehmerzahl nicht mehr durchgeführt werden. Ebenso erging es zahlreichen Gemeinden in der Umgebung. In der gleichen Zeit wuchs die Bevölkerungszahl massive an und einige Gemeinden wurden zu grösseren Einheiten fusioniert.

Die Begründung, dass man einen Feiertag einführen will um einer Sache speziell zu huldigen ist somit klar ad absurdum geführt. Will man eine Angelegenheit deutlich schwächen oder gar ausrotten, dann sollte man ihr einen Feiertag widmen.

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