Es wurde in dieser Rubrik mehrmals erwähnt wie in den letzten Jahren die Kaufkraft der Schweizer im Durchschnitt sank, da als Folge der Personenfreizügigkeit die Löhne unter Druck kamen, aber die selbe Öffnung bei den Konsumgüter erfolgreich bekämpft wird, von Leuten welche sich liberal schimpfen (z.B. Stimmte der Stimmbürger bewusst einem tieferen zukünftigen Einkommen zu?). Gemäss Erhebungen der Gewerkschaft Travail.Suisse, rückwirkend für das Jahr 2004, ist das höchste Kader von dieser Entwicklung nicht betroffen, womit sich die Lohnschere innerhalb der Konzerne in einem enormen Ausmass öffnete (Studie Travail.Suisse )
Nun, die Betriebe haben nach der Einführung der Personenfreizügigkeit grosse Gewinnsteigerungen erwirtschaftet. Dies hatte zum anderen mit der guten globalen Wirtschaftsstimmung bis Ende 2007 zu tun, andererseits haben die bilateralen Verträge ihnen attraktive Märkte erschlossen. War es bis anhin riskant und teuer in neue ausländische Produktions- oder Absatzmärkte vorzustossen, so kommt dies nun, dank den bilateralen Verträgen mit der EU, denkbar einfacher und günstiger zustande.
Laut dem Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann kommen die exorbitanten Einkommenssteigerungen bei den Konzernleitungsmitgliedern dadurch zu Stande, dass sich viele Manager alleine für die Gewinne verantwortlich fühlen und es nicht weiter als schlimm erachten von einem Milliardengewinn einige wenige Prozente ab zu zwacken. Die Entschädigung steht dabei proportional zur Grösse der Unternehmung. Indem das Schweizer Volk die bilateralen Verträge gutgeheissen hat, hat sie einen Pfeiler für das Wachstum der Unternehmen gelegt, von dem nun erst einmal die obersten Kader profitieren. In zweiter Linie profitieren wohl die EU-Immigranten, welche den Firmen zusätzliche Grösse verleihen und keine Einkommenseinbusse im Vergleich zu ihrem Herkunftsland hinnehmen müssen.
Nicht profitieren tut die Mehrheit jener, welche das Ganze an der Urne erst ermöglicht hat. Die Personenfreizügigkeit hat das Angebot an Arbeitskräften dermassen erhöht, dass die Reallöhne sanken. Die jährlich rund 36′000 welche zuviel sind und ausgesteuert werden, trifft es dabei am härtesten.
Grotesk ist an dieser Situation höchstens, dass die Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen schreien. Sie begründen ihre Forderung mit der wirtschaftlichen Lage, welche dies erlaube. Dabei wiederspiegelt der aktuelle Lohn genau die momentane wirtschaftliche Lage und ist der Ökonomie bestens angepasst: Ganz Oben spielt die Grösse, welche tatsächlich enorm zugenommen hat, während Unten das Überangebot an Arbeitskräften den Lohn drückt und die Balance von Angebot und Nachfrage genau wiedergibt. Die Rahmenbedingungen werden von der Realität perfekt nachgebildet. Wie im Lehrbuch. Es scheint gerade, als wollte man nie etwas anderes.